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Kunstszene in Düsseldorf

Ein Überblick

Düsseldorfer Kunstinstitutionen und Ausstellungsorte

Die öffentliche Diskussion der letzten Jahre um Düsseldorfer Kunstinstitutionen und Ausstellungsorte ist sehr politisiert und von unterschiedlichen Diskursen geprägt:

1) dem Diskurs um das Museum als in Frage gestellte Institution
2) dem Diskurs um die Partizipation und Mitbestimmung der KünstlerInnen in Ausstellungsbetrieb und Kulturpolitik
3) dem Genderdiskurs, der strukturelle Veränderungen in Kunsthalle und anderen Kunstinstitutionen einforderte.

Die Kritik ging hauptsächlich von der Kunstszene aus, die in Düsseldorf für breitere politische Anliegen jederzeit mobilisiert werden kann.

1) Dem Museum wurde der Trend zu Eventcharakter und zu viel etablierter Kunst vorgeworfen. Im Ehrenhof ist das Kunstmuseum und der Kunstpalast angesiedelt. Letzterer und die Kunsthalle waren geschichtlich gesehen die einzigen Institutionen, in denen sich auch jüngere Künstlerinnen und Künstler repräsentiert fanden. Der Abriss des Kunstpalastes wurde beschlossen, über die Zukunft der Kunsthalle gab es lange Zeit Irritationen und wilde Gerüchte, die auch von einem eventuellen Abriss sprachen. Dass es dazu wirklich kommen sollte ist aber nie belegt worden. Die "Initiative rettet den Kunstpalast, die Kunsthalle und das Kunstmuseum" machte sich auch für den Erhalt der Kunsthalle stark. Der Kunstpalast wurde bis auf die Fassade abgerissen und und mit dem Architekten Ungers neu aufgebaut. Er war von einer städtischen Institution zu einer Public Private Partnership, die zwischen Eon (ehemals Veba) und Stadt in Form einer Stiftung gegründet wurde, übergegangen. Das Kunstmuseum und der Neubau hinter der Fassade des alten Kunstpalasts tragen nun den Namen Museum-Kunst-Palast, geleitet von Generaldirektor Jean Hubert Martin.
Die Kunsthalle besteht weiter unter einem Dach mit dem Kunstverein fort, neustrukturiert als städtische GmbH.

2) Die "Initiative rettet den Kunstpalast, die Kunsthalle und das Kunstmuseum" kämpfte gegen die Abrisspläne an, die Kunsthalle blieb daraufhin erhalten. Aus der "Initiative" ging auch ein neues Vorstandsgremium hervor, das den tradierten Künstlerverein Malkasten mit eigenem Gebäude und Park in einen Ort der Gegenwartskunst verwandelt hat.
Als weitere Aktivität aus der Kunstszene sind die vielen Off-Spaces und selbstorganisierten Projekträume in Düsseldorf zu nennen.

3)Parallel und zum Teil in Zusammenarbeit mit der "Initiative rettet den Kunstpalast, die Kunsthalle und das Kunstmuseum" bildete sich 1997 die "Künstlerinnengruppe". Sie forderte ein Pilotprojekt für die Kunsthalle, das für einen Zeitraum von 3 Jahren eine Quote von 50% Künstlerinnen als Endergebnis dieser Periode vorsah, das sich auch auf die Besetzung von Aufsichtsräten und Fachgremien beziehen sollte. Dieser Versuch scheiterte an den politischen Gegebenheiten, da die quotenfreundliche SPD nach den Neuwahlen ihre Vormachtstellung im Kulturausschuss verlor. Die Quote war immer sehr umstritten, und von der Künstlerinnengruppe als politische Maximalforderung verstanden worden. Zu dieser Forderung kam es im Zusammenhang mit der Studie "Frauenpräsenz in Ausstellungen Düsseldorfer Kunstinstitutionen 1969-1998", die ich gemeinsam mit Sandra Satori durchführte, die in Presse und Öffentlichkeit Aufmerksamkeit erhielt, da die Studie eine erhebliche Unterpräsenz von Künstlerinnen in den Institutionen nachwies. Diese Studie wurde 1999 publiziert und deutschlandweit an Kuratoren und Kuratorinnen verschickt.
Website mit einer Kurzfassung der Studie: http://frauenpraesenz.cult.net/

Die 60er und 70er Jahre

Das erst kurze Zeit zurückliegende Engagement der Kunstszene, wird in einem Rückblick auf die 60er- und 70er Jahre verständlicher. Die Kunstakademie wurde Ort von Ausstellungen und Aktionen im internationalen Austausch: 1962: nach dem Fluxusabend Neo-Dada in der Musik, veranstaltet von Nam June Paik lud Beuys die Gruppe zu einem Fluxus Konzert in die Kunstakademie ein, und wurde 1963 gemeinsam mit Vostell, Spoerri u.a. selbst Teilnehmer am 2 tägigen Fluxuskonzert "Festum Fluxorum-Fluxus/Musik und Antimusik". 1964 Querverbindungen zur internationalen Kunstszene Eva Hesse, begleitet von Tom Doyle zieht für 1 Jahr in die Nähe von Düsseldorf (Fabrikhalle Essen Kettwig ). Sie steht in punktuellem Kontakt zur Düsseldorfer Kunstszene (Uecker, Beuys).

1966 Auf Einladung von Jörg Immendorf, dem Asta Kulturreferenten der Akademie, gaben Nam June Paik und Charlotte Moorman, die in New York wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses arretiert worden waren und als Sympathiebekundung deshalb nach Düsseldorf eingeladen wurden, ein Konzert. (Moorman spielte nackt Chello). James Lee Byars zeigte 1969 vor der Akademie die Aktion Airplane, eine Stoffskulptur für 100 Leute. 1970 zog Marcel Broodthaers nach Düsseldorf und gründet die "Section Cinéma" des "Musée d'Art moderne, Département des Aigles".

Gleichzeitig entstanden autonome, von StudentInnen und Beuys selbst gegründete Instititutionen:

1967 Gründung der deutschen Studentenpartei durch Joseph Beuys mit ‚Studenten und Journalisten' (Ziele: gegen eine materialistisch orientierte, ideenlose Politik; für "absolute Waffenlosigkeit, ein geeinigtes Europa, die Selbstverwaltung autonomer Glieder wie Recht, Kultur, Wirtschaft ..."). 1968 Bau einer LIDL-Klasse im Flur der Kunstakademie, 55 Mitglieder schrieben sich ein (‚Implantations'-Stategie - StudentInnen ‚implantieren' eine autonome Institution in die staatliche; LIDL wurde gegründet von Chris Reinecke und Jörg Immendorf). 1969 Internationale Tagung der LIDL-Akademie in der Akademie, Tagungsgäste wollten in der Akademie übernachten, danach Räumung der Akademie durch die Polizei, veranlasst durch den Direktor Professor Trier. 1972 Entlassung von Joseph Beuys durch den Wissenschaftsminister nach der Besetzung des Sekretariats der Kunstakademie als Protest gegen die Anwendung des Numerus clausus im kreativen Bereich der Akademie (Beuys wollte eine autonom verwaltete Kunstakademie). Bis in die 80er Jahre hinein wurde die von Johannes Stüttgen und Beuys gegründete F.I.U., Freie Internationale Universität, im ehemaligen Beuys Atelier der Akademie fortgeführt.
(Weitere Informationen siehe Ausstellungskatalog ‚Brennpunkt Düsseldorf', 1987, Kunstmuseum Df.)

Die Ereignisse in den 60er und frühen 70er Jahren zeigen, wie Düsseldorf und besonders die Kunstakademie ein Ort internationalen Ideenaustausches einer Avantgarde war, die vom politischen Kampf gegen die Institution Kunsthochschule in ihrer staatlichen traditionellen Form begleitet wurde.

Ob die Akademie auch entsprechend zum allgemeinen aufklärenden Geist ein Ort feministischer oder gender-inspirierter Aktivität war, ist allerdings mit Nachdruck zu bezweifeln. So berichtet Gislind Nabakowski, die sich in beschriebener Periode häufig in Düsseldorf aufhielt, vielmehr von nur einzelnen kritischen Ereignissen und situativen Kontroversen an der Akademie, die als Vorgeschichte interessante Hinweise auf die negativen Ergebnisse der Studie von 1999 geben mögen. Die bekannte Äußerung von Beuys: "jeder Mensch ist ein Künstler" und sinngemäß eine weitere: "jede Mutter, die ihr Studium dazu nutzt, ihre Kinder später mit dem gewonnenen Wissen zu erziehen, ist in dem Sinn auch Künstlerin" löste allerdings doch infolge der von Beuys ausgesprochenen essentialistisch abwertenden Genderposition sporadisch eine heftige Debatte aus, die von der späteren Künstlerin Eugene Bongs geführt wurde. In der Aktion ‚Pangenese' von Verhufen, Anatol, Stüttgen mit Beuys im Jahr 1969, in der sich der damalige Student Kurt Verhufen nur mit einem kleinen dreieckigen Tuch bekleidet an ein ein grosses Holzkreuz hing, bis er dies physisch nicht mehr aushielt, kam es im Anschluss zu gegenseitigen Küssen unter den Männern. Die Situation schien latent homoerotisch aufgeladen gewesen zu sein, es kam dabei aber wohl kaum zu einer Reflektion über Homosexualität oder über symbolische und tatsächliche patriarchale Rituale. (Abbildung im Kat. "Brennpunkt Düsseldorf", S. 91)

Gislind Nabakowski, die in der Kunstakademie studiert hatte, arbeitete ab 1970 für den WDR 3 und als Lektorin im Flash Art Verlag in Mailand. Mit Wohnsitz an beiden Orten gründete dort und in Düsseldorf die internationale Avantgarde-Zeitung "heute Kunst" (1971-1977), die auch eine Zeit lang in engl. Sprache erschien. Als Chefredakteurin des Magazins veröffentlichte sie erstmalig im deutschen Sprachraum ab1973 regelmäßig feministische Genderseiten. Künstlerinnen wie Valie Export, Lygia Clark, Meret Oppenheim, Yoko Ono, Iole de Freitas, Annette Messager, Katharina Sieverding, Ulrike Rosenbach, Gina Pane, Marina Abramovic, Carolee Schneemann, Lynda Benglis, Natalia Lach-Lachwicz, Suzy Lake, Tania Mouraud, Nicole Gravier, Veritqa Monselles, Ketty La Rocca u.v.m. wurden besprochen und erhielten Abbildungen (‚heute Kunst' 1975, No.9). 1980 erschien auf ihre Initiative der Reader "Frauen in der Kunst", in dem Essays von Gislind Nabakowski, Helke Sander , Peter Gorsen, Laura Mulvay und Valie Export publiziert wurden. Gislind Nabakowski, die 1981 Düsseldorf verließ, hatte als Kunsthistorikerin M.A. ab 1980 eine befristete Stelle als Lehrbeauftragte für Öffentlichkeitsarbeit an der Kunstakademie Düsseldorf inne, und entwickelte auch das Konzept der Stelle, die später Kasper Koenig als Professur übernahm.

Die heutige Situation

Hier scheint mir der geeignete Moment nach der Frage zur aktuellen Situation gekommen zu sein. Was haben die Studie von 1999 und die politische Arbeit der "Initiative rettet die Kunsthalle etc." heute verändert? Ich möchte ein paar Ausstellungsorte der Reihe nach durchgehen und habe hierzu Leiter und Leiterinnen oder wissenschaftliche Mitarbeiterinnen befragt.

Der Kunstverein der Rheinlande und Westfalen: Hier gab es vor einem Jahr eine Neuberufung der Leitung, die zuvor immer männlich besetzt war. Aus internen Kreisen erfuhr ich damals, dass diesmal bewusst eine Frau als Leiterin bestimmt werden solle. Mit der Berufung von Rita Kersting trat diese Prognose ein. Sie hat mit ihrer Ausstellung "Zero Gravity" unterschiedliche zeitgenössische Positionen gezeigt und sieht ihre eigene geistige Herkunft in einer Sammlung, wie der des Museums Abteiberg in Mönchengladbach. Ihr Ziel ist es, gemeinsam mit Anette Freudenberger (ehemals "Schnitt Ausstellungsraum", Köln), ihrer Mitarbeiterin, interessante Positionen aus Düsseldorf, Köln und dem Rheinland in das Programm einzubinden, was sie als bisher vernachlässigt ansieht. Derzeit läuft die Vortrags- und Auststellungsreihe "Eingang links" zum Projekt Kunst und Musik. Zur Frage nach ihrer Genderperspektive hält sie es für selbstverständlich, dass Künstlerinnen gut repräsentiert sein werden, möchte aber keine explizit feministischen Ansätze ins Zentrum ihrer Arbeit stellen. www.kunstverein-duesseldorf.de

Das Museum Kunst-Palast: Marie Luise Syring berichtet, dass in der Eröffnungsausstellung "Altäre" sowohl Priester als auch Priesterinnen für die Altäre verantwortlich sind. Besonders im Schamanismus und im Animismus finden sich einige Priesterinnen, im Gegensatz zu den Weltreligionen. Das Thema Kunst und Ethnologie beinhaltet hier auch keine klare Trennung zwischen Kunst und Kultobjekt. Ein Genderstatement ist von Martin bisher nicht bekannt, und soll nicht vorweggenommen werden. Da aber Klassiker, wie Miro, auf dem Programm stehen, und Gattungen von klassisch bis zeitgenössisch vorkommen werden, wird in gewissem Maße die allgemein bei renommierten Häusern übliche Ausstellungspraxis zum Tragen kommen. Die Angelika Kaufmann Retrospektive (kuratiert von Bettina Baumgärtl und Sylvia Nysters noch vor der Neustrukturierung) hatte unerwartet hohe Besucherzahlen, und stellte damals den Versuch dar, auch historisch etwas hinsichtlich des Images von Künstlerinnen in der Geschichte zu bewegen. Eine Einzelausstellung mit der US Künstlerin Liza Lou wird imJahr 2002 ebenso stattfinden, wie Einzelausstellung mit der ägyptischen Künstlerin Ghada Amer.

Mit Jean Hubert Martin wird der Diskurs um die eurozentristische Sicht des Kunstbetriebs mit Sicherheit thematisiert werden. Es gibt auch ein paar wenige Künstlerinnen und Künstler, die schon länger in der Richtung Ethnologie und Kunst arbeiten, aber außerhalb des bisher gängigen Diskurses in Düsseldorf standen. Bei dem kürzlich veranstalteten Symposion Kunst und Religion, wurde deutlich, dass Martin mit seiner ersten Ausstellung " Altäre" und deren Präsentation in einem Kunstmuseum ein Zeichen setzen möchte, dass die Kultobjekte und spirituellen Andachtsstätten aus allen Weltteilen als Kunst definierbar sind. Im Focus der Kritik stand nach der Neueröffnung des Ausstellungshauses andererseits das offensive Event-Marketing, das mit der Ausstellung ‚Altäre - Kunst zum Niederknien', gefahren wird, und in der Presse kritisch bewertet wurde.

Ein anderer Diskussionspunkt scheint im Augenblick auch das "Künstlermuseum" zu sein, das Herr Martin initiiert hat, wenn auch nur, wie die FAZ behauptete, um die ehemalige Initiative zur Rettung des Kunstpalasts etc., in der Thomas Huber und Bogomir Ecker sehr engagiert waren, ruhig zu stellen. Allerdings muss man wissen, dass Martin Huber schon vor vielen Jahren im Centre Pompidou ausgestellt hat. Dieses Künstlermuseum bezeichnet die neue Hängung der gesamten Sammlung des ehemaligen Kunstmuseums, die von der Gotik bis zur Gegenwart reicht.

Auf Einladung Jean Hubert Martins an die Künstler Thomas Huber und Bogomir Ecker, die das Konzept für die Neuhängung vorschlugen, kam es zur Realisierung des Vorhabens, das für die nächsten zwei Jahre als Präsentationsform der Sammlung bestehen bleiben wird. Die Chronologie der Werke wurde aufgehoben, "wir wollen, dass der Besucher nicht eine bekannte Sicht der Dinge abschreitet, sondern immer wieder zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung mit den Werken angehalten wird", so Jean Hubert Martin. Einzelne Bereiche wurden mitgestaltet von anderen Künstlern, so von Tony Craigg und Hermann Pitz. Bei einer Podiumsdiskussion, an der Thomas Huber und Bogomir Ecker ihr Konzept noch einmal zur Diskussion stellten, fiel der Vorschlag, dieses Projekt müsse auch einmal von Künstlerinnen realisiert werden, womit wahrscheinlich die Anordnung der Werke, sowie deren Auswahl nach Genderkriterien kritisch kommentiert werden sollte. Als nächstes ist auch eine Ausstellung zur zeitgenössischen Fotografie in zwei Teilen geplant, deren Hauptkurator Jean Hubert Martin ist. Der ausführende Kurator ist Rupert Pfab ein jüngerer Kurator, der ehemals als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Kunsthalle Düsseldorf tätig war. Die erste Ausstellung konzentriert sich auf 16 international anerkannte Künstlerinnen und Künstler aus Düsseldorf, darunter 4 Frauen. Sie umfasst neben 6 ehemaligen Studenten der Becher Klasse ein weiteres Spektrum von Rinke, Baumgarten, Streuli, Kuball, Muller bis Feldmann, sowie den Fotografinnen Katharina Sieverding, Candida Höfer, Dunja Evers und Hilla Becher. Im Anschluss wird es eine weitere Ausstellung zur Düsseldorfer Fotografie geben, deren Konzept soeben erarbeitet wird.
Außenstehende und Beobachter stellen sich die Frage, wie viel experimentellen Spielraum es im Museum Kunst-Palast geben wird. www.museum-kunst-palast.de

Die Kunstsammlung NRW: Das von Armin Zweite geleitete Haus hatte in der Studie gemeinsam mit dem Kunstverein besonders minimal in der Repräsentation von Künstlerinnen abgeschnitten. Auch die Sammlung enthielt zum Zeitpunkt der Studie nur Werke von 2 Künstlerinnen. Doch die Ausstellungen "Puppen, Körper, Automaten" von Pia Müller Tamm, und "Ich ist etwas Anderes", an der Doris Krystof mit kuratiert hat, zeigt, so die interviewten Wissenschaftlerinnen des Hauses, einen langsamen Prozess der Bewusstseinsveränderung zur Genderthematik auf. Die Kunstsammlung wird in Zukunft erheblich mehr Ausstellungsfläche mit dem "Ständehaus" haben, das von Julian Heynen (ehemals Direktor des Kaiser Wilhelm Museums in Krefeld) geleitet werden wird, unter Mitarbeit von Doris Krystof. Es soll auch einen Projektraum für junge Kunst geben. Momentan befindet sich das Ständehaus noch in der Umbauphase. http://www.kunstsammlung.de Kunsthalle Düsseldorf: Die Kunsthalle wird frühestens 2002 neu eröffnet und befindet sich momentan im Umbau. Laut internen Informationen ist eine Frau als Leiterin berufen worden: die Kunst- und Musikwissenschaftlerin Ulrike Groos. Künstlerverein Malkasten: Es gibt regelmäßig Ausstellungen, in denen die Arbeit sowohl international bekannter, und gleichzeitig Düsseldorfer Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichen Bekanntheitsgrads gezeigt werden. HauptorganisatorInnen sind momentan Katharina Fritsch und Bogomir Ecker. Die Ausstellungen finden innerhalb des Clubs statt, einem Anwesen mit Park, und sind in der Auswahl von Künstlerinnen und Künstlern sehr ausgewogen und beanspruchen ein sehr hohes Niveau (Cindy Sherman, Sam Taylor Wood, als Beispiele bekannter Künstlerinnen). Jeden Dienstag ist Clubabend. www.malkasten.org

Die Off-Spaces: Hier gibt es eine einzige Position, die auch einen feministischen Ansatz integriert: der "Infection Manifesto Not-Ausstellungsraum" von der Künstlerin Andrea Knobloch (Herausgeberin der Zeitschrift "Infection Manifesto") in ihrem eigenen Atelier. Im selben Gebäude befindet sich Site, ein Ausstellungsraum, der ebenfalls eine Zeitschrift herausbringt, und in seiner Programmatik neo-minimalistisch ausgerichtet ist, und derzeit ein Austauschprojekt mit dem Schnittraum aus Köln organisiert hat. Das Hobbypopmuseum baut auf dem Gedanken der Corporate Identity seiner KünstlerInnen auf; das Parkhaus, im Malkastenpark lokalisiert, bringt neben Einzelpositionen der Düsseldorfer Szene Arbeiten zu Film und Video, sowie Arbeiten von Künstlern und Künstlerinnen aus dem Ausland ein (Sylvie Fleury). Escale und Plus stehen noch eng im Kontext mit der Akademie. Das Onomato ist ein Raum speziell für Video und Musik. WP8 ist heute eine Bar, die zeitweise immer noch Ausstellugen und Filmvorführungen organisiert. infection.manifesto@gmx.de , www.sitesite.de , www.schnittraum.de, www.hobbypop.com , Parkhaus: +49/(0)211/334971 , www.kairos.to/html/escale/escale.html, www.plus-kunst.de, www.onom.to, www.wp8.org

Das Gastatelier am Höher Weg: Dieses von einer Atelierhausgemeinschaft geführte Stipendium mit Ausstellung ist ein Ort für ausländische Künstlerinnen und Künstler. Sie kamen bisher hauptsächlich aus den USA, England, Niederlande, Belgien, Frankreich aber auch aus Australien, Südafrika und Japan. Das Projekt ist von der Stadt unabhängig und bezieht Förderungen u.a. vom Lyons Club. Persönlicher Eindruck von Jan Kolatha, den ich interviewte, - Frauen sind gleich repräsentiert, das Gremium, bestehend aus 11 Mitgliedern der Ateliergemeinschaft, zu der auch Pia Fries und Katharina Grosse zählen, bestimmt die Auswahl. Hin und wieder lassen sich die KünstlerInnen auch von Galerien oder KritikerInnen beraten. Das Kulturamt der Stadt Düsseldorf lässt nun jährlich eine Statistik zur Frauenpräsenz in Ausstellungen der Institutionen erstellen. Nach Aussage von Frau Rauers in der Abteilung Künstlerförderung seien die Zahlen im Vergleich zur Studie konstant geblieben. Bisher werden diese Statistiken nicht publiziert.

Zusammenfassung

Ausstellungshäuser: Düsseldorf ist ein Stück mehr als bisher für die Genderfragen sensibilisiert, aber fast alle lehnen es ab, feministische Diskurse zu führen, oder zu integrieren. Gleichberechtigung soll nach und nach selbstverständlich werden. Positiv ist auch der Einsatz von Katharina Fritsch, die kein Geheimnis daraus macht, dass sie viele Frauen im Malkasten zeigen möchte. Es sind auf jeden Fall zwei neue Frauen in kuratorischen Funktionen zu finden, die bisher über Generationen von Männern besetzt waren, - gemeint sind Kunstverein und Kunsthalle mit Rita Kersting und Ulrike Groos. Es ist äußerst wahrscheinlich, dass die Neubesetzung dieser Positionen durch Frauen ein Zugeständnis der Kulturpolitik an die politische Arbeit der Künstlerinnengruppe ist. Mit diesen Neubesetzungen verbindet sich die Hoffnung, dass Foren für experimentelle Ansätze in der Gegenwartskunst entstehen, die parallel auf internationaler Ebene stattfindende Strömungen aufgreifen, und nicht zuletzt auch auf den vorhandenen Kontext vor Ort eingehen.

Der Erfolg von Katharina Fritsch und Katharina Sieverding scheint dem Image der Ausnahmefrau zu entsprechen, und ist von daher nicht mehr ganz repräsentativ für die jetztige Zeit. Es gibt heute eine ganze Anzahl von Künstlerinnen, die sich eines "mittleren Erfolgs" erfreuen dürfen, dieses Profil ist auch typisch für Düsseldorf. Man spricht ja immer wieder von der Gläsernen Decke, die zu durchbrechen noch immer ein Handycap für Künstlerinnen darstelle.
Im Anhang werden Abbildungen von Arbeiten einiger Künstlerinnen aus Düsseldorf zu sehen sein.

Meiner ganz persönlichen Einschätzung nach ist das Klima in Düsseldorf irgendwo konservativ. Als einstiges Zentrum der Avantgarde der 60er und 70er Jahre und Gewinnerin im Boom der 80er Jahre, das nun schon seit Jahren zunehmend Peripherie in der Kunstwelt wurde fanden feministische Diskurse und experimentelle Konzepte, soweit vorhanden, keine Projektionsfläche in Ausstellungen. Schließlich ist das Aufkommen des anglo-amerikanischen Kunst-Diskurses auch betreffend Gender (ob Homosexualität, Feminismus oder sozio-politische Diskurse) ein ganz anderer Ausgangspunkt, dem sich Düsseldorf zum Teil bewusst verweigerte. Während Ende der 80er und Anfang der 90er in Köln theorie-bezogene Bewegungen entstanden, die sich in Räumen wie dem Friesenwall 116a (wo Düsseldorfer KünstlerInnen beteiligt waren), dem Raum von Stefan Dillemuth, später Christian Nagel und Tanja Grunert, dem Einfluss von Dietrich Diederichsen und Texte zur Kunst äußerten, kämpften die StudentInnen in Düsseldorf mit der konservativen Neustrukturierung der Akademie durch Markus Lüpertz. Fußball spielen hatte bei KünstlerInnen der Akademie Hochkonjunktur, daraus enstanden soziale Konzepte, wie die "Bar", 1991 gab es einen Monat lang die WM Bar in der Kölnerstraße 170, initiiert von Fenja Braster, Klaus Föttinger, Hendrik Krawen, aus der später WP8 hervorging, ein Ort für Filmrecherche, Vorträge und Austausch, der sich anfangs noch als Fortsetzung des Friesen wall 116a in Köln verstand. www.wp8.org Die Abneigung gegenüber der anglo-amerikanischen und der französischen strukturalistisch geprägten Theorie hätte eine künstlerisch spannende Kontroverse hervorrufen können, die leider nie stattfand, da eine fast demonstrative Verweigerungshaltung beibehalten wurde. Zum Verständnis der Lage muss gesagt werden, dass die Düsseldorfer Akademie eine Schule des Sehens und des Umgangs mit Materialen ist, in der vor allem die absolute Autonomie der Kunst als Relikt aus den 70er Jahren die Sichtweise beherrschte, was sich auf dem Markt noch lange vermitteln ließ. Das Theorieangebot war zum Teil altruistisch, oder knüpfte nur sehr punktuell an die aktuellen Strömungen in der Theorie an. Das System deutscher Kunsthochschulen unterscheidet sich hier sehr stark von dem amerikanischen und britischen.

Erst über die Projekträume fand eine selbstorganisierte ausstellungsbetriebliche Aktivität statt, die es möglich machte, das Potential künstlerischer und politisierter Konzepte sichtbar zu machen. Seit ca. 2 Jahren organisiert der Asta der Kunstakademie Vorträge und lädt hierzu KuratorInnen (Angelika Nollert), KünstlerInnen (Isotrop, Jonathan Meese) und GaleristInnen (Bruno Brunett Fine Arts) ein.

Weitere Aspekte
Die Kunstszene der 80er:

In den 80ern gab es auch wieder neue Impulse von der Kunstakademie, die im wesentlichen in der Ausstellung "Von hier aus", kuratiert von Kasper König, zusammengefasst waren. Diese Szene hatte wenig politische Ambitionen, strebte direkt in den Kunstmarkt .Einige wichtige Namen der 80er sind Reinhard Mucha, Katharina Fritsch, Thomas Schütte und Thomas Ruff, (Katharina Sieverding - schon ab 70er Jahre), und wurde in den 90ern um weitere Namen ergänzt, wie Andreas Gursky und Thomas Struth. Diese Liste ist nur ein Ausschnitt, der sich an den erfolgreichsten Künstlerinnen und Künstlern orientiert (z.B. Top 100, Capital), steht aber exemplarisch für die allgemeine Ansicht im internationalen Kunstbetrieb, dass aus der Akademie in Düsseldorf besonders viele international bedeutende Positionen hervorgingen. Das ist auch in der Teilnahme an Documenta und Biennale belegt, dennoch stagniert diese Ansicht mittlerweile, seit Markus Lüpertz die Akademie leitet. Selbst von der Studentenschaft gehen kaum Impulse aus (fast keine Beteiligung an den Aktivitäten der "Initiative rettet den Kunstpalast, etc.", hier zeigte vor allem die 80er Jahre Generation politische Initiative). Auch die Kunsthalle hat ihren spektakulären Ruf nach und nach eingebüßt.

Im nationalen Kontext sind Düsseldorf, Köln und das Rheinland vor Berlin zurückgetreten, was sich in Köln darin spiegelt, dass der Kölner Kunstmarkt seit ein paar Jahren an Internationalität verloren hat und sich dafür der Berliner Kunstmarkt etabliert hat. Übrigens, Standort der wichtigen Galerien war und ist immer noch seit den 80ern Köln gewesen, Düsseldorf kam an zweiter Stelle. Köln hat in diesem Punkt seine Bedeutung Berlin gegenüber noch nicht verloren.

Abwanderung nach Berlin: In den letzten drei Jahren sind viele Künstlerinnen und Künstler nach Berlin gegangen, weil Düsseldorf in einer Krise steckte, und Berlin ein neues Zentrum wurde. Als Grund, auch für Künstlerinnen abzuwandern sehe ich das grundsätzlich konservative Klima in Düsseldorf, und die festgefahrenen Strukturen durch eine gewisse Prägung durch die 80er Jahre Generation, die durch den Boom der 80er einen Erfolg verbuchen konnte, der die nachfolgenden Generationen bis heute in den Schatten stellt. Ob sich diesbezüglich Berlin so anders verhält, kann ich nicht beurteilen.

Aus diesem konservativen Klima und der Krisensituation heraus lassen sich die vielen Off-Spaces und selbstorganisierten Ausstellungen erklären. Das sind vorrübergehende Netzwerke, die unter Künstlerinnen und Künstlern entstanden sind. Viele versuchen sich mit anderen ähnlichen Netzwerken an anderen Orten oder im Ausland auszutauschen. Außer der Gruppe Isotrop aus Hamburg hatten es bisher meiner Ansicht nach wenige durchgehalten, zusammenzuarbeiten, wenn der Erfolg kommt. Deswegen würde sich aus meiner Sicht die Frage stellen, auf welches System kann ich mich mehr verlassen. Ein Vorteil der Netzwerke ist, dass künstlerische Ausstellungskonzepte so gut wie gar nicht reglementiert werden.

Galerien haben die Präsentationsformen und das Auftreten der Off-Spaces längst kopiert. Das kann man an der Art Basel oder in Berlin immer sehr gut sehen. Netzwerke und Off-Spaces sind eine interessante Grauzone, in die , wenn das Konzept (die Strategie) stimmt, irgendwann die "wichtigen" Leute Einzug halten. Dann läuft alles von selbst. Ich denke, dass Künstlerinnen in diesen Netzwerken genauso untergehen, wie aufsteigen können. Künstlerin ist nicht gleich Künstlerin, es stellt sich die Frage, ob sie eher einen radikalen Ansatz verfolgt. Dann ist sie im Netz eventuell besser aufgehoben, was die positive Wahrnehmung ihrer künstlerischen Position betrifft. Strategisch gesehen kann das Netz ein Schleichweg zum Erfolg sein, denn ‚off' ist ‚hip', und man muss sich nicht in gewohnter Weise prostituieren, kommt cooler rüber.

Die Rolle der Stadt Düsseldorf in der Kunstförderung: Das Kulturamt fördert jährlich die Off-Spaces mit einem Zuschuss von 5000,-DM. Die Kunsthalle wird in eine städtische GmbH gewandelt, das Personal des Kunstvereins wird aus städtischen Töpfen bestritten. Die Stadt ist zu einem Anteil im Museum Kunst Palast beteiligt. Kunstsammlung NRW und das Ständehaus werden aus Landestöpfen gespeist. Angeblich sind seit der Public Private Partnership zwischen Stadt und Eon im Museum Kunstpalast einige Quellen der Künstlerförderung, so z.B. die Katalogförderung versiegt, was nach Ansicht der politisch engagierten Gruppe, die im Malkasten nach wie vor ein Forum haben, im Missverhältnis zu den immensen Ausgaben, die ins Museum Kunstpalast flossen, stehe.

Düsseldorf heute: Momentan gibt es so viele Institutionen, wie noch nie in Düsseldorf. Alles steht noch in den Startlöchern, die Frage, die sich mir stellt ist, haben die in Netzwerken tätigen Künstlerinnen eine Chance von einer dieser Institutionen wahrgenommen zu werden, oder orientieren sich die KuratorInnen letztlich wieder nur an Galerien? Allerdings haben in den letzten Jahren auch viele junge Galerien eröffnet, deren Programm sich in der Auswahl der künstlerischen Positionen auch gelegentlich mit der Off-Szene kreuzt. Von daher ist Etablissement nicht immer mit Galerien gleichzusetzen.

Eine Chance sind die jungen Kuratorinnen und Kuratoren in all diesen Institutionen, die sich in beiden Szenen bewegen, der etablierten und der Off-Szene. Die Frage ist nur, wie viel Spielraum haben sie wirklich, da jedes Museum letztlich hierarchisch strukturiert ist, und die LeiterInnen sich meist erst dann für einen Underground interessieren, wenn dieser schon keiner mehr ist, wenn er schon vielfach protegiert wurde. Wenn sich Chancen für ein "Off-Individuum" ergeben, so meist über ein persönliches Votum von Seitens einer etablierten Künstlerin oder eines etablierten Künstlers.

So viel zu Düsseldorf als Ort der Kunst, ein Portait, das sich aus möglichst viel Information und subjektiver Einschätzung zusammensetzt.

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